Die Kastration gehört zu den häufigsten chirurgischen Eingriffen in der Tiermedizin. Ob beim Hund oder bei der Katze – die Entscheidung für oder gegen eine Kastration wirft viele Fragen auf. Hier finden Sie alle wichtigen Infos: den richtigen Zeitpunkt, den Ablauf der Operation, die Nachsorge und die Kosten.
Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Kastration?
Hund
Der ideale Zeitpunkt hängt von Rasse, Größe und Geschlecht ab. Bei kleinen Rassen (unter 15 kg) wird die Kastration häufig ab einem Alter von etwa 6 Monaten empfohlen. Bei großen und sehr großen Rassen raten viele Tierärzte, die skelettale Reife abzuwarten – das kann 12 bis 18 Monate dauern. Bei Hündinnen spielt auch der Läufigkeitszyklus eine Rolle: Idealerweise wird zwischen zwei Läufigkeiten operiert, um das Komplikationsrisiko zu minimieren.
Bei Rüden gibt es keine starre Altersgrenze. Verhaltensauffälligkeiten wie ausgeprägtes Markieren, Streunen oder Aggression gegenüber anderen Rüden können ein Grund sein, die Kastration in Betracht zu ziehen – allerdings nur, wenn das Verhalten hormonell bedingt ist.
Katze
Katzen werden in der Regel ab dem 5. bis 6. Lebensmonat kastriert, bevor die erste Rolligkeit einsetzt. Kater können ab dem gleichen Alter kastriert werden. Bei Freigängerkatzen ist eine frühzeitige Kastration besonders wichtig, um unkontrollierte Vermehrung zu verhindern. In Deutschland werden jährlich tausende herrenlose Katzen geboren – die Kastration ist der effektivste Beitrag zum Tierschutz.
Ablauf der Kastration
Die Kastration ist ein Routineeingriff, der unter Vollnarkose durchgeführt wird. Trotzdem ist es eine richtige Operation, die sorgfältige Planung erfordert.
Vor der OP
Nüchtern bringen – Ihr Tier sollte am OP-Tag mindestens 8–12 Stunden nüchtern sein (kein Futter). Wasser darf bis 2 Stunden vor dem Termin angeboten werden.
Voruntersuchung – Vor der Narkose wird Ihr Tier gründlich untersucht. Bei älteren Tieren oder Risikopatienten empfehlen wir eine Blutuntersuchung, um die Narkosefähigkeit zu prüfen.
Kein Stress – Bringen Sie Ihr Tier möglichst ruhig in die Praxis. Bei Katzen eignet sich eine gut belüftete Transportbox mit einer vertrauten Decke.
Die Operation
Bei Katern ist der Eingriff vergleichsweise kurz: Über einen kleinen Schnitt am Hodensack werden beide Hoden entfernt. Die OP dauert in der Regel 10–15 Minuten. Beim Rüden verläuft die Kastration ähnlich, wobei der Schnitt je nach Größe etwas größer ist.
Bei Hündinnen und Kätzinnen wird eine Ovariektomie (Entfernung der Eierstöcke) oder Ovariohysterektomie (Entfernung von Eierstöcken und Gebärmutter) durchgeführt. Dieser Eingriff ist aufwendiger und dauert etwa 30–45 Minuten. Moderne Nahttechniken sorgen dafür, dass die Narbe klein bleibt.
Nachsorge: Die ersten Tage nach der OP
Die richtige Nachsorge ist entscheidend für eine komplikationslose Heilung:
Ruhe – Ihr Tier braucht in den ersten 2–3 Tagen Schonung. Kein Toben, keine langen Spaziergänge, kein Treppensteigen bei großen Hunden.
Wundkontrolle – Kontrollieren Sie die Naht täglich. Leichte Schwellungen und Rötungen sind normal. Bei starker Schwellung, Eiterbildung oder wenn sich die Naht öffnet, rufen Sie uns an: 0177 4737845.
Leckschutz – Ein Halskragen oder Body verhindert, dass Ihr Tier an der Wunde leckt. So unbequem er ist – er ist wichtig für die Heilung.
Fütterung – Am Abend nach der OP darf Ihr Tier eine kleine Portion Schonkost fressen. Normales Futter ab dem nächsten Tag in gewohnter Menge.
Fäden ziehen – Die Hautnähte werden nach 10–14 Tagen entfernt. Bei intrakutanen Nähten (unter der Haut) entfällt das Fädenziehen.
Kosten der Kastration nach GOT
Die Kosten richten sich nach der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) und hängen von Tierart, Geschlecht und dem gewählten Gebührensatz ab:
Kater – ca. 90–170 € (inkl. Narkose und Nachsorge)
Kätzin – ca. 150–300 € (aufwendigerer Eingriff)
Rüde – ca. 150–300 € (je nach Größe und Gebührensatz)
Hündin – ca. 300–600 € (Bauch-OP, aufwendiger)
Im Preis enthalten sind in der Regel die Voruntersuchung, die Narkose, der chirurgische Eingriff, Schmerzmittel und die Nachkontrolle. Wir beraten Sie vorab transparent über die zu erwartenden Kosten.
Vorteile und mögliche Nachteile
Vorteile
Vermeidung ungewollter Trächtigkeiten
Deutlich reduziertes Risiko für Gesäugetumoren bei Hündinnen (wenn vor der 2. Läufigkeit kastriert)
Kein Gebärmutter-Empyem (eitrige Gebärmutterentzündung) – ein häufiger Notfall bei unkastrierten Hündinnen
Kein Hodenkrebs bei kastrierten Rüden und Katern
Weniger Streunen und Revierkämpfe bei Katern – das reduziert auch das Risiko für Bissverletzungen und FIV-Übertragung
Kein Markieren mit Urin in der Wohnung (bei Katern, wenn rechtzeitig kastriert)
Mögliche Nachteile
Gewichtszunahme – Kastrierte Tiere haben einen geringeren Energiebedarf. Mit angepasster Fütterung lässt sich Übergewicht aber gut vermeiden.
Fellveränderungen – Bei manchen Hunderassen wird das Fell nach der Kastration weicher und dichter („Welpenfell“).
Harninkontinenz – Betrifft ca. 5–20 % der kastrierten Hündinnen, vor allem große Rassen. Ist medikamentös gut behandelbar.
Mythen rund um die Kastration
Einige Behauptungen halten sich hartnäckig – sind aber nicht korrekt:
„Eine Hündin sollte einmal Welpen bekommen haben.“ – Medizinisch gibt es dafür keinen Grund. Eine Trächtigkeit hat keinen gesundheitlichen Vorteil.
„Nach der Kastration wird mein Hund faul und dick.“ – Der Energiebedarf sinkt um ca. 20–30 %. Wer die Futtermenge anpasst und für Bewegung sorgt, vermeidet Übergewicht problemlos.
„Kastration verändert den Charakter.“ – Die Grundpersönlichkeit bleibt erhalten. Hormonell bedingtes Verhalten (Markieren, Streunen) kann sich positiv verändern. Angstverhalten oder erlerntes Verhalten wird durch eine Kastration nicht beeinflusst.
„Eine Katze muss erst einmal rollig gewesen sein.“ – Im Gegenteil: Eine frühe Kastration vor der ersten Rolligkeit reduziert das Tumorrisiko am stärksten.
Terminvereinbarung
In unserer Praxis vergeben wir Kastrationstermine flexibel – oft innerhalb weniger Tage. So müssen Sie nicht wochenlang auf einen Termin warten. Rufen Sie uns einfach an oder nutzen Sie unsere Online-Buchung:
Wir beraten Sie gerne individuell, ob und wann eine Kastration für Ihr Tier sinnvoll ist. Jedes Tier ist anders – und verdient eine maßgeschneiderte Empfehlung.